Praxisbericht: „Das Fakebook Spiel“

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Eltern-Workshop im Rahmen des „Eltern-Medienmentoren-Programms“ des Landesmedienzentrums Baden-Württemberg  (Initiative „Kindermedienland Baden-Württemberg“)

Das fakebook-Spielfeld

Das fakebook-Spielfeld

Alte Kataloge von Reiseveranstaltern, schwedischen Möbel- und Modehäusern, Kunsthändlern, Supermarktprospekte, Scheren, Farbstifte, Post-Its und Klebepunkte – auf den ersten Blick sieht am Schlossgymnasium in Kirchheim/Teck nichts nach einem „Soziale Netzwerke“-Workshop aus.

Statt Facebook, Twitter & Co. am PC zu erkunden, lernten die teilnehmenden Elternbeiräte die Faszination und Funktionsweise sozialer Netzwerke ganz praktisch, analog und vertraut mit Schere, Kleb und Stiften kennen. In Anlehnung an das Planspiel „Spielen statt klicken“ der Bundeszentrale für politische Bildung und des DGB Bildungswerks sowie eigenen Erfahrungen aus früheren Workshops, entwickelte ich das “ fakebook Spiel“, bei dem die Teilnehmenden durch das Erfüllen von Aufgaben auf Aktionskärtchen auf der Statuspyramide aufsteigen können.

Spielregeln, Spielverlauf und Statuspyramide

Spielregeln, Spielverlauf und Statuspyramide

Dazu mussten zunächst alle in ihrem Profil Namen und  Geburtsdatum ausfüllen, um sich für das Spiel zu registrieren. Im Anschluss diskutierten wir anhand des Films „Masken“ von „watch your web“ Vor- und Nachteile von Klarnamen und Nicknames in sozialen Netzwerken.
Danach kamen die Klebepunkte zum Einsatz. Jede(r) dürfte sein Profil ausfüllen, Titel- und Profilbild einkleben und anschließend mit roten und blauen Punkten kennzeichnen, was öffentlich und was nur für Freunde sichtbar sein soll. Mit schönen Profilen ausgestattet ging es nun ans Freundschaften knüpfen und schließlich Aktionskarten erfüllen. So „posteten“ die Teilnehmenden schon bald ihre ersten Pinnwandeinträge, Kommentare, vergaben „Gefällt mir“-Punkte, gründeten Gruppen, be- und entfreundeten sich und stiegen so langsam auf der Statuspyramide auf.
Beispiel für ein fakebook-Profil mit Titelbild

Beispiel für ein fakebook-Profil mit Titelbild

Vom Ehrgeiz und der Faszination erfasst, waren manche Eltern nur schwer wieder an den Tisch zu holen, denn selbstverständlich blieb es nicht nur beim Spielen. In der anschließenden Reflexion besprachen wir zum einen das Spiel an sich, zum anderen die Übertragung der Erfahrung auf das Thema „soziale Netzwerke“. Dabei ist der Spaß und die Spielfreude, auch gruppendynamisch gedacht, als sehr positiv einzuschätzen. Die wahre Stärke entfaltet diese Methode jedoch besonders im Aufzeigen von Chancen und Problemen im Umgang mit facebook und Co. Eine Teilnehmerin brachte es schön auf den Punkt: „In jedem Spiel steckt auch Ernst.“ Allgemein fanden die Eltern das fakebook-Spiel interessant aber auch stressig. „Du musst was machen, dass du in den Spiel-Modus kommst“, berichtete eine Mutter von ihrer Spielerfahrung. Ein Elternteil fragte sich, warum sie überhaupt wie wild Aktionskarten bzw. Spielsteine für Kommentare, Postings, Freunde etc, gesammelt haben. Daraus ergiebt sich die Frage, worin überhaupt der Reiz entsteht, Anerkennung für Statusmeldungen, Bilder oder Freundschaftsanfragen bekommen zu wollen.

Erinnerungen an den letzten Skiurlaub ernten Kommentare und gelbe "Gefällt mir!"-Punkte

Erinnerungen an den letzten Skiurlaub ernten Kommentare und gelbe „Gefällt mir!“-Punkte

Besonders das Thema „Zugehörigkeitsgefühle“ war für einige Eltern ein wichtiger Aspekt. Sie spürten selbst, wie wichtig ihnen das „Mit-Machen-Wollen, Dabei-Sein-Wollen, Freunde-haben-Wollen“ war. Manche berichteten von der Angst, keine oder gar negative Kommentare zu erhalten und sich ausgeschlossen zu fühlen. Generell fühlten sie sich häufig überfordert mit den vielen Impulsen und hatten das Gefühl, den Überblick zu verlieren. Eine Mutter hingegen sah das ganz gelassen: „Man muss sich auch mal zurücknehmen und eine Auszeit gönnen können.“ Das ist wohl die Königskompetenz bei sozialen Netzwerken: Die Partizipation, Kommunikation, Information und Unterhaltung genießen und konstruktiv nutzen, aber auch die Fähigkeit besitzen, sich bewusst zurücknehmen zu können. Wenn ich selbst bestimmen kann, wie viel ich teilhaben, wie viel ich preisgeben möchte und mich nicht von den „Spielregeln“ sozialer Netzwerke fremdsteuern lasse, dann habe ich schon viel an Medienkompetenz gewonnen.

Doch auch mich hat das Spielfieber gepackt! Ich freue mich schon sehr auf den nächsten „fakebook-Spiel“-Einsatz!
Impressionen des fakebook-Spiels am Schlossgymnasium Kirchheim/Teck:

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