Wenn Worte fehlen, können Bilder sprechen

Foto-Ausstellung vom 20. Mai bis 8. Juni dokumentiert den Alltag junger Flüchtlinge in Stuttgart

Vorbildlich_Fotoprojekt
Foto: Annette Kosakowski

Die Bilder von überfüllten Flüchtlingsbooten fesseln seit Wochen und Monaten die öffentliche Aufmerksamkeit. Unter den Flüchtlingen, die es nach Deutschland schaffen, sind zunehmend auch Minderjährige ohne Begleitung ihrer Eltern oder anderer Angehöriger. Wie sieht der Alltag dieser jungen Flüchtlinge in Stuttgart aus? Wie gelingt es ihnen, die traumatische Flucht zu verarbeiten? Was denken, was fühlen diese Jugendlichen? Die Fotoausstellung „(Vor-)bildlich: Jung! Allein! Heimatlos?! Willkommen?“ will Antworten auf diese Fragen geben. Junge Flüchtlinge, die vom Flattichhaus der Evangelischen Gesellschaft (eva) und der Stadt Stuttgart betreut werden, haben sich und ihren Alltag in Stuttgart fotografiert. Ihre Bilder sind noch bis 8. Juni im Jugendhaus Mitte, Hohe Straße, zu sehen.

Die eigene Selbstwirksamkeit erleben
„Diese Ausstellung will den jungen Flüchtlingen ein Gesicht geben und ihnen den Dialog mit der Öffentlichkeit ermöglichen“, sagte Jens Hartwig, der zuständige Bereichsleiter im Flattichhaus, bei der Vernissage am 19. Mai. An dem Fotoprojekt der eva haben sechs Jugendliche im Alter zwischen 16 und 20 Jahren teilgenommen: Jeder einzelne von ihnen hat Traumatisches erlebt: Krieg, Gewalt, Hunger, Flucht. Darüber sprechen, mit anderen ins Gespräch kommen, neue Freunde in Stuttgart finden – das alles fällt ihnen schwer. Sprachliche und kulturelle Barrieren stehen im Weg. Daher lautet der Grundgedanke des Projekts: Wenn Worte fehlen, können Bilder sprechen. Außerdem sollten die Jugendlichen die eigene Selbstwirksamkeit erleben. Denn der Alltag von Flüchtlingen ist geprägt von Abhängigkeiten und oft unverständlichen Regeln. „In anderen Kontexten wird eigentlich immer über sie bestimmt“, sagt Medienpädagoge Benjamin Götz vom Flattichhaus, der das Projekt gemeinsam mit seinem Kollegen Sakir Cal geleitet hat. „Im Projekt haben die Jungs selbst entschieden, was sie wie fotografieren. Wir haben bewusst keine Vorgaben gemacht.“

Insgesamt 30 Fotografien sind in der Ausstellung im Jugendhaus Mitte zu sehen, darunter Selfies, Alltags- und Stadtansichten. Der 17-Jährige Nouman hat zum Beispiel die Stadtbibliothek am Mailänder Platz abgelichtet. „Da bin ich oft, das ist mein Lieblingsplatz in Stuttgart“, sagt der junge Pakistani. Hier kann er kostenlos im Internet surfen oder Zeitschriften in seiner Muttersprache Urdu lesen. Die Fotos der anderen zeigen Freunde, das eigene Zimmer, die U-Bahn, das Lieblingsgericht. Die jungen Projektteilnehmer haben nicht nur selbst fotografiert, sondern auch die Bilder für die Ausstellung ausgewählt und selbst künstlerisch bearbeitet.

So manches über Bildgestaltung, Licht und Perspektive gelernt
Das Rüstzeug dazu haben sie zuvor in mehreren Workshop-Einheiten gelernt. Seit November 2014 haben sich die Jugendlichen regelmäßig im Flattichhaus getroffen und gemeinsam mit der Medienpädagogin Katrin Schlör so manches über Bildgestaltung, Licht, Perspektive und Bildbearbeitung gelernt. Das Ergebnis macht alle stolz: Die jungen Fotografen genauso wie die Projektverantwortlichen. Finanziell gefördert wurde das Projekt von der Aktion Jugendschutz und der Bischöflichen Medienstiftung der Diözese Rottenburg-Stuttgart. „Die Jugendlichen haben auf ganz eigene und originelle Art und Weise ihren Alltag auf Bilder gebannt“, zeigte sich auch Petra Zellhuber-Vogel von der Bischöflichen Medienstiftung bei der Eröffnung beeindruckt. „Ich wünsche der Ausstellung, dass sie ihr Ziel erreicht und Menschen miteinander ins Gespräch bringt.“

Info: Die Ausstellung ist vom 20. Mai bis 8. Juni im Jugendhaus Mitte, Hohe Straße 9, 70174 Stuttgart zu den üblichen Öffnungszeiten zu sehen: montags von 10 bis 18 Uhr sowie dienstags bis freitags von 10 bis 23 Uhr. Den Flyer zum Fotoprojekt können Sie hier als PDF herunterladen: Projektflyer (Vor-)bildlich

Dringend Wohnraum für minderjährige Flüchtlinge gesucht: Die Evangelische Gesellschaft sucht dringend Wohnraum, um junge Flüchtlinge im betreuten Einzelwohnen oder in betreuten WGs unterzubringen. Falls Sie eine Ein- bis Drei-Zimmer-Wohnung in Stuttgart oder Umgebung zu vermieten haben, melden Sie sich bitte bei: info(at)eva-stuttgart.de.

Der Originaltext von Annette Kosakowski ist unter folgendem Link erschienen: http://www.eva-stuttgart.de/52.html?&tx_ttnews[tt_news]=1180&tx_ttnews[backPid]=53&cHash=cf929b0acb845cae7a06a98a6070b50c

Presseschau zu dem Projekt:

Kindermedienland Baden-Württemberg (Vor-)bildlich: Jung! Alleine! Heimatlos?! Willkommen? Junge Flüchtlinge fotografieren Stuttgart. Online hier verfügbar.
Trottwar
Ausgabe 06/2015, 22. Jg.: „Auf der Suche nach einem besseren Leben. Die Geschichte eines jungen Flüchtlings“ von Isabel Sinner.
Martinsland.de vom 22.05.2015: “(Vor-)bildlich: Jung! Alleine! Heimatlos?! Willkommen?“ von Katharina Przybilla. Online hier verfügbar.
Kontext Wochenzeitung
 vom 13.05.2015: “Fremde Perspektiven” von Johannes Pimpl. Online hier verfügbar.
SWR1 Sonntagmorgen vom 29.03.15 ab Minute 8:38 – ca.12:30. Online hier verfügbar.
Stuttgarter Nachrichten und Schwarzwälder Bote vom 18.03.15: “Projekt (Vor)bildlich fotografieren. Fotoprojekt will Sprachbarrieren überwinden” von Götz Schultheiss. Online hier und hier verfügbar.
Stuttgarter Zeitung vom 15.04.15: “Bilder schaffen Nähe” von Sybille Neth.
Stuttgarter Wochenblatt vom 25.03.15: “Sprachbarrieren überwinden”. Online hier verfügbar.

Presseschau zur Ausstellung:
Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten vom 22.05.2015: “Die Einsamkeit der jungen Flüchtlinge” von Liviana Jansen.
Stuttgarter Wochenblatt
vom 27.05.15: “Wenn Worte fehlen, können Bilder sprechen. Foto-Ausstellung dokumentiert den Alltag junger Flüchtlinge in Stuttgart.” Online hier verfügbar.

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