Skype-Besuch bei Oma – Videotelefonieren in der Familie

Welche Möglichkeiten hatte man vor dem Internet, mit entfernt lebenden Familienmitgliedern und Freund_innen in Kontakt zu bleiben? Briefe und Telefonate. Mehr Optionen gab es nicht. Später folgten SMS, E-Mails und Chat-Programme. Heute ist der Kontakt über Soziale Netzwerke und Messenger wie WhatsApp wesentlich erleichtert und Familien verdanken Webcams, dass sie einander auch über weite Distanzen via Videotelefonie sehen und miteinander kommunizieren können. Der wohl bekannteste Anbieter ist Skype, jedoch bieten auch Facetime, Google Hangouts, Viber, Jitsi und diverse andere Plattformen den kostenlosen Service an. Erweitert werden die Funktionen durch Optionen wie Videonachrichten zu senden, Emojis zu verwenden, miteinander zu chatten, Dateien zu senden und in einer Gruppe gemeinsam zu kommunizieren oder zu spielen. Dank Smartphones und Tablets sind diese Dienste auch überall mobil als Apps nutzbar, jedoch nur, wenn das Gerät mit dem Internet verbunden ist.

Vorteile für die Familie

Die Vorteile sind vielfältig. Besonders für Familien, die sich beispielsweise aufgrund von Trennung, Migration oder weit entfernten Wohnorten selten persönlich treffen können, schafft das sich-Sehen eine größere Nähe als das sich-Hören und die direkte Kommunikation ist wesentlich interaktiver als das zeitversetzte Schreiben via Post, E-Mail oder Messenger. Besonders die Möglichkeit, als Gruppe in Kontakt zu treten, unterstützt Familien dabei, ein Gemeinschaftsgefühl aufrecht zu erhalten. Großeltern können so die Entwicklung der Enkel mitverfolgen oder getrennt lebende Elternteile am Alltag der Kinder teilhaben. Videotelefonie hat im Vergleich zu Familien-WhatsApp- oder Facebook-Gruppen den entscheidenden Vorteil, dass auch kleine Kinder oder Familienmitglieder mit sprachlichen Handicaps daran teilnehmen können, da die Kommunikation auch ohne Worte möglich ist. Besonders in Bezug auf die Teilhabe am Alltag ist es durch die kostenlose Nutzung möglich, einen Videotelefonanruf aufrecht zu erhalten und nebenbei anderen Tätigkeiten nachzugehen. Das Gespräch wird dann zur Nebenbei-Beschäftigung, während die Kinder spielen und sich nach Bedarf ins Gespräch einklinken können.

Grenzen und Herausforderungen

Grenzen sind dem „Camen“, wie Jugendliche Videotelefonieren nennen, beispielsweise dann gesetzt, wenn kein Internetzugang vorhanden ist oder technische Barrieren wie eine niedrige Datenrate vorliegen, die Webcamanrufe verlangsamen oder abbrechen können. Neben den technischen Voraussetzungen ist es notwendig, dass die beteiligten Familienmitglieder die Programme bedienen können und die Funktionen kennen. Zwar ist die Bedienung in der Regel sehr einfach, dennoch benötigen besonders Kinder oder evtl. Großeltern ohne Internetkenntnisse eine Einführung oder Unterstützung. Eine weitere Herausforderung ist der Datenschutz. Um die genannten Dienste nutzen zu können, bedarf es eines Accounts. Besonders der Marktführer Skype steht in der Kritik, nicht nur Daten seiner Nutzer_innen zu sammeln, sondern diese auch an Partnerunternehmen weiterzuleiten. Wenn intimste Familienangelegenheiten so zum Geschäftsmodell werden, ist es wichtig, sich die Kosten-Nutzen-Frage zu stellen. Es ist auch möglich, alternative Angebote wie beispielsweise Viber oder Jitsi zu verwenden, die mehr Wert auf Datenschutz legen.

Gemeinsame Erlebnisse online planen

Die größte Herausforderung ist jedoch nicht technischer Natur. Die Kommunikation via Webcam kann körperliche Nähe wie Umarmungen oder gemeinsame Aktivitäten nicht ersetzen. Zwar ist es möglich, Oma zu „besuchen“, aber mit ihr Kekse essend auf dem Sofa zu sitzen, kann auch Skype nicht ermöglichen. Hier gilt es kreativ zu sein. Wie wäre es, vor dem Gespräch Kekse per Post zu verschicken und die gemeinsam genüsslich vor dem Bildschirm bei einer Tasse Kakao zu verspeisen oder beim nächsten Zoo-Besuch die Videotelefonie-App zu starten und Oma virtuell auf einen Spaziergang durch das Affengelände mitzunehmen? Mit ein wenig Kreativität und Medienkompetenz kann das „Camen“ Familien sehr bereichern.

 

Links:

 

Dieser Artikel von Katrin Schlör ist unter CC-Lizenz (CC BY-SA 3.0 AT) in dem Buch „leben.spielen.lernen – Familien in der digitalen Welt“ erschienen.

Apps im Familienalltag

Auf dem Fachtag „Zu viel los!? Familien zwischen Medienlust und Medienfrust“ im Rahmen der Stuttgarter Kinderfilmtage 2017 leitete ich ein Workshopangebot zum Thema „Apps im Familienalltag“. Anschließend interviewte mich Christian Reinhold vom Kindermedienland Baden-Württemberg. Das Interview ist hier auf Youtube zu sehen:

Ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk…

…liegt unter meinem Christbaum. Kurz vor Weihnachten wurde mir meine Promotionsurkunde verliehen.


Damit endet ein spannender, aber auch anstrengender Lebensabschnitt. Mehrere Jahre lang habe ich Familien in belasteten Lebenslagen besucht und mich mit der Bedeutung von Medien für deren Lebens- und Alltagsbewältigung beschäftigt. Zentral war dabei die Erkenntnis, dass Familien Medienpraktiken häufig zur Herstellung und Bestärkung des Familiensystems einsetzen, sei es in Form von Fernseh-Familienzeit während einer Samstagabend-Show, im WhatsApp-Familienchat oder als Skype-Session mit Verwandten. Dieses Doing Family, wie es die Familiensoziologie nennt, ist gleichzeitig ein wichtiger Anlass für intergenerationelle Medienbildung. Familienmitglieder lernen voneinander, bspw. wenn die Kinder der Oma einen Skype-Account anlegen und erklären. Sie lernen etwas übereinander, wenn die Eltern ihren Kindern erzählen, was sie früher im Fernsehen gerne angeschaut haben. Familienmitglieder lernen miteinander, wenn sie gemeinschaftlich Computerspiele testen oder sich über die Wertigkeit von Privatsphäre austauschen. Und Familien lernen aneinander, wie sie Medien in ihren Alltag integrieren und welchen Stellenwert sie ihnen zuschreiben.

In den Jahren habe auch ich viel über mich selbst gelernt. Dafür danke ich besonders den Familien, die mir die Offenheit und das Vertrauen schenkten, Einblicke in ihre Lebens- und Medienwelt zu geben.

Das Buch erschien im Dezember 2016 beim kopaed-Verlag in München unter folgender Referenz:
Schlör, Katrin (2016): Medienkulturen in Familien in belasteten Lebenslagen. Eine Langzeitstudie zu medienbezogenem Doing Family als Bewältigungsressource. München: kopaed.

App- und Internet-Tipps für Familien

Smartphones und Tablets

 (Vor-)Leseapps

 

Apps für den Familienalltag

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Meine Unterrichtsmodule für die Grundschule sind kürzlich erschienen

Medien stellen einen wichtigen Teil der Lebenswelt von Kindern dar. Gleichzeitig zeigt sich, dass insbesondere an Grundschulen sowohl Vorbehalte als auch infrastrukturelle Grenzen vorherrschen, die Medienbildung entgegen stehen. Insbesondere der Einsatz digitaler Medien findet im Grundschulunterricht nur selten Raum (vgl. Initiative D21 2014). Wenngleich es wünschenswert wäre, dass Lehrkräfte Medien als wertvolle Werkzeuge im Schulalltag akzeptieren, ist es dennoch wichtig, neben digitalen didaktischen Angeboten auch technisch niederschwellige Anregungen für Medienbildung an Schulen zu geben. Dies war der Anspruch an zwei Unterrichtsmodule, die ich speziell für Grundschullehrkräfte im Auftrag des Landesmedienzentrums Baden-Württemberg entwickelt habe.

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Neuer Artikel erschienen: „Intergenerationelle Medienbildung in Familien“

Medienpraktiken in Familien vollziehen sich häufig zwischen Angehörigen unterschiedlicher Generationen. Ob Kinder und Eltern gemeinsam Fernsehen oder mit den Großeltern via WhatsApp kommunizieren, jede Interaktion schafft Möglichkeiten für wertvolle Medienbildungsmomente. Das Konzept der intergenerationellen Medienbildung gibt diesen Alltagspraxen einen theoretischen … Weiterlesen

Schulungsmaterial zu Cybermobbing – Infos, Unterrichtsmaterial und Hilfsangebote

Im Rahmen der Vorbereitung auf eine Schulung für Lehrkräfte und SchulsozialarbeiterInnen zum Thema Cybermobbing habe ich diverse Links und Literaturtipps zusammengestellt, die gerne in den Kommentaren ergänzt werden können. Ich nehme die Vorschläge dann dankend in die Liste mit auf. … Weiterlesen

Geschlechtsspezifische Computerspielsozialisation in der Familie

Heute hole ich einen Blog-Post nach, der längst überfällig ist. Anfang des Jahres habe ich mich in einem Artikel mit dem Thema „Geschlechtsspezifische Computerspielsozialisation in der Familie“ beschäftigt. Neben Erkenntnissen aus meiner Studie zum Thema „Medien in Familien in belasteten … Weiterlesen

Mit Schere, Maus und Co. – Linktipps für Familien mit Kindergartenkindern

Medienerziehung von ganz kleinen Kindern ist häufig eine besondere Herausforderung. Gerade im Alter von 0 bis 6 Jahren ist der Einfluss der Eltern noch recht groß und Kinder benötigen viel Unterstützung. Damit der Start in eine lebensbereichernde Medienpraxis gut gelingt, … Weiterlesen

Interview zum Thema „Medien in der Familie“ mit der Initiative Kindermedienland Baden-Württemberg

Als Referentin der Initiative Kindermedienland Baden-Württemberg u.a. für die Projekte Eltern-Medienmentoren-Programm und die medienpädagogische Fortbildung für die sozialpädagogische Familienhilfe wurde ich kürzlich zum Thema Medien in der Familie interviewt. Dabei lag der Fokus auf der Medienpraxis in Familien mit Migrationshintergrund … Weiterlesen