Praxisbericht: Facebook-Workshop mit einer Gruppe von Flüchtlingsfrauen

Heute war ein besonderer Tag für mich. Im Mehrgenerationenhaus LINDE in Kirchheim/Teck war ich zu einem EDV-Kurs einer Gruppe von Frauen eingeladen, die als Flüchtlinge in Deutschland leben. Thema des Workshops waren Chancen und Herausforderungen von facebook.

Selten wurde ich so herzlich aufgenommen wie hier. Wir frühstückten zunächst zusammen, kamen in Kontakt und starteten dann mit einer Übung zum Thema Netzwerke. Das klassische Kennenlernspiel mit Wollknäul-Zuwerfen verdeutlichte uns dabei, wie Netzwerke funktionieren. Jede hatte zwei Freunde, die per Faden verbunden waren und doch konnte eine Botschaft (Hier: klassischerweise ein Papier-Briefchen an einer Schnur) an jede Frau im Kreis weitergeleitet werden. Bereits bei dieser Übung thematisierten wir Profile und Freundschaften in sozialen Netzwerken sowie die Themen „Privatheit und Öffentlichkeit“. Anschließend schauten wir uns eine Karte an, die die Netzwerkstruktur von facebook verdeutlichte. An dieser Stelle sprachen wir auch über politische Strukturen und die Macht von sozialen Netzwerken als Instrument, um bspw. auf Missstände in einem Land hinzuweisen. Anschließend arbeiteten wir praktisch auf der Plattform facebook und lernten Möglichkeiten zur Partizipation, aber auch zum Privatsphärenschutz kennen.

Globale Vernetzung via facebook

Globale Vernetzung via facebook

 

Der Workshop war angesiedelt im Projekt „Eltern-Medien-Mentoren“ der Initiative Kindermedienland Baden-Württemberg und diente in erster Linie dazu, Eltern fitter für Fragen der Medienerziehung in der Familie zu machen.

Mein Fazit: Es ist von enormer Bedeutung für die Medienpädagogik, bestehende Gruppen in Institutionen zu unterstützen. Denn wenn Vertrauen vorhanden und eine Verbindlichkeit der Angebote gewährleistet ist, werden auch Personen erreicht, die häufig als „schwer erreichbar“ bezeichnet werden. Es stellt sich für mich defintiv die Frage, ob nicht jene „Schwererreichbarkeit“ ein Problem der Pädagogik anstelle der so bezeichneten Personengruppen darstellt. Denn wenn Strukturen vorhanden sind, die ressourcenorientiert und vertrauensbasiert bedürfnisgerechte Angebote schaffen, erreichen wir Menschen, die eventuell von klassischen Medienbildungsangeboten nicht profitieren können. Dass es dabei nicht immer nur auf eine(n) Übersetzer(in) ankommt, zeigt das heutige Beispiel. Ob Tamil, Arabisch oder Deutsch: Nicht nur auf die Sprache kommt es an, sondern auch auf die Vermitttlung und ganz besonders auf die Atmosphäre, in der ein (Medien)bildungsangebot stattfindet. Hier an dieser Stelle ein ganz großes Lob an Simon, Anja Hezinger und ihre Frauengruppe der LINDE. Ich muss sagen, dass ich selten einen so bereichernden Workshop erlebt habe wie heute. Ich hatte sehr viel Spaß und weiß nun einmal mehr, warum mir meine Arbeit so viel Freude bereitet.

 

Bericht über meinen Workshop auf dem Familienkongress der Lebenshilfe in Berlin

Im September hatte ich das Glück, auf dem Familienkongress der Lebenshilfe und ihrer Partner in Berlin einen medienpädagogischen Workshop für Familien mit Kindern mit besonderem Unterstützungsbedarf anzubieten. Das Thema lautete „Meine Medien, meine Familie und ich“. Ziel war es, das individuelle und gemeinsame Medienhandeln in der Familie auf kreative Art zu reflektieren und in der Diskussion medienpädagogische Handlungsimpulse zu erarbeiten. Es war eine unglaublich inspirierende Erfahrung, die meine wissenschaftliche Arbeit zum Thema „Mediensozialisation in Familien in belasteten Lebenslagen“ auf eine ganz besondere Art beleuchtete. Besonders spannend waren die vielfältigen Geschichten der Teilnehmenden, die Medien als Chance und Bereicherung für Familien mit Mitgliedern mit Behinderung zum Thema hatten.

Der Workshop-Bericht ist nun im Rahmen der Tagungsdokumentation erschienen und hier nachzulesen: http://www.lebenshilfe-familienkongress.de/familienkongress/programm/seite-16.php